Mineralogie

Mineralogie

Entstehung (Walter von Holst; www.steinkreis.de)

das Entstehungsprinzip des Minerals spricht auf das Thema der Biographie an. Wie ich wurde was ich bin, die Vorgeschichte, der Erfahrungshorizont...

Die Entstehungsweise der Mineralien erzählt uns deren persönliche Geschichte, wie sie zu dem wurden, was sie heute sind. Diese wahrhaft prägenden Erfahrungen geben sie durch ihre Ausstrahlung weiter. So haben wir die Möglichkeit, uns diese Erinnerungsschätze durch die Meditation und das Beisichtragen eines Steines zu Eigen zu machen. In Situationen in unserem Leben, wo wir ähnliches durchleben wie der Stein vor etwas längerer Zeit, können wir uns die Erfahrungen und Lebensweisheit des Steines zugute kommen lassen.

Um das genauer bestimmen zu können, ist es gut, die Werdeprozesse beider Parteien besser zu verstehen.

Als erstes: Jeder Entwicklungsprozess durchläuft drei Phasen.

Bei den Steinen unterscheidet der Mineraloge wie folgt:

Die primäre Entstehung aus dem Magma, bzw. die magmatische Abfolge

die sekundäre Entstehung durch Verwitterung, bzw. die sedimentäre Abfolge

und die tertiäre Entstehung durch Umwandlung, bzw. die metamorphe Abfolge.

Primäres Bildungsprinzip oder Magmatische Abfolge
Magma entsteht, wenn tief im Erdinneren unter extremen Bedingungen des Drucks und der Hitze (mehrere 1000°C), Mineralien zersetzt und gelöst werden, und unter Beimengung von Wasser zu glutflüssigem Magma verschmelzen.
Diese Stoffe werden durch Abkühlung und Erstarrung unterschiedlich auskristallisiert. Hierbei setzt sich ein Kristallchen an das andere an, ein Teil strukturiert sich am anderen. Das dünnflüssigere Magma wird durch das dichtere und gröbere Umgebungsgestein nach oben gedrückt, das schwerere sinkt nach unten ab. 

Vulkane entstehen, wenn die Schmelze schnell an die Erdoberfläche gelangt und innerhalb kürzester Zeit abkühlt (Stunden und Tage). Ergussgesteine oder Vulkanite nennt man diese feinkristallinen und glasigen Steine, die keine Zeit hatten, Kristalle auszubilden,wie z.B. Obsidiane, Bimsstein und Basalt, sowie Augen-Jaspis und Feueropal.

Die an der Erdoberfläche erstarrten Ergussgesteine (Vulkanite) entsprechen einer extravertierten Lebensführung, mit temperamentvollen, schnellen Entschlüssen und starken Stimmungsschwankungen.

Die mittel- und grobkörnigen Plutonite (oder Tiefengesteine) entstehen, wenn das Magma langsam in einem Zeitraum von Jahrtausenden in der Tiefe abkühlt (als Gesteine Granit, Syenit, Diorit).

Die ungeformte, glutflüssige Schmelze findet ihren Platz, ihre Gestalt und Form.

Also kann man sagen, es geht um Selbstfindung, Selbstverwirklichung, Umsetzung und Realisierung des eigenen Lebens.

Hier unterscheidet jedoch der Fachmann noch weiter in liquidmagmatischer, pneumatolytische und hydrothermaler Entstehung: 

Liquidmagmatisch heißt, dass aus der glutflüssigen Schmelze bei Temperaturen zwischen 1100° und 700°C. basische und ultrabasische Stoffe abgeschieden werden und dadurch bestimmte Gesteine und Mineralien entstehen, wie z.B. Olivin, Chromit, kalziumreicher Plagioklas, sowie Pyrop, Rosenquarz, Chromeisenerz, und Zirkon. Diese Gesteine sind dichter und schwerer als die umgebende Masse und sinken tiefer ab, bilden also für die sich oberhalb bildenden Gesteine die Basis.

Die liquidmagmatischen Steine wirken stark erdend, verbinden mit der Urkraft und dem Urgrund, geben Selbstvertrauen und schaffen so eine Basis für das Leben. Sie verleihen dem Leben Tiefe und Gehalt.

Pneumatolytisch nennt man, wenn heiße Gase und Dämpfe des Magmas, das nun stärker mit sauren, siliziumhaltigen Stoffen angereichert ist, auskristallisieren.

Diese Gase können auch aus dem Umgebungsgestein Stoffe herauslösen und umwandeln (wobei dies ein tertiärer Vorgang ist.)

Die Dämpfe dringen oft fern des Urprungsortes tief in Spalten ein und bilden dort Mineralien wie Topas, Fluorit, oder Turmalin, Beryll, Lepidolith, Apatit und Pyrit, oder Hämatit und Granat.

Die pneumatolytischen Steine fördern Fähigkeiten des Geistes und des Verstandes, machen flexibel und helfen Freiräume zu finden, in denen man seine Ideen umsetzen kann.

Hydrothermal nennt man die Mineralien der wässrigen Lösungen der Restschmelze, die sich durch das Absinken der Temperatur unter 375°C (bis handwarm) bilden. Mit einem hohen Anteil an sauren Stoffen wie Silizium, Chlor, Fluor und Metallen versehen, wird die Lösung nach oben in die selbst noch warmen Klüfte und Spalten gedrückt und kristallisiert dort aus.

Die Bildungen bezeichnet man wiederum als “Ganggesteine”. Hier werden die größten und schönsten Kristalle gebildet, weil die Lösung hier optimal isoliert wird und in zigtausend Jahren oft nur um wenige Grade abkühlt. Gold, Silber, Kupferkies, Zinkblende, Pyrit, Beryll, Variszit, Strontianit, Spodumen und viele Quarze werden in solchen Gängen gefunden.

Die hydrothermalen Steine entsprechen einer großen Sorgfalt, einer großen Ernsthaftigkeit und einem langen Reifeprozeß. Der Entstehung ging ein langer Selektionsvorgang voraus, und zur Bildung vollkommener Kristalle bedarf es auch optimaler Bedingungen. Hier deutet jeder Stein sich selbst, und seine Biographie. Konnte sich seine Anlage, das, was er mitbrachte, also seine Inhaltsstoffe, in der Umgebung, die er gewählt hat, umsetzen, entfalten und entwickeln. War der Platz auf einmal zu klein? Konnten sich andere besser durchsetzen, mußte man sich arrangieren? War überhaupt genug Zeit für eine Entwicklung gegeben? Hier unterstützt ein Stein die entsprechende Situation bei uns.

Was ist also das Grundprinzip bei der Magmatischen Abfolge, auf den Menschen angewandt? Es geht darum, im Leben die Initiative zu ergreifen, sich seine Meinung zu bilden sich Ideale zuschaffen, für die es wert ist, zu leben. Dann gehört zu dieser Phase dazu, seinen Platz zu finden, es sich einzurichten, so wie es einen glücklich macht. Freiheit und Wille, Schöpferkraft und Phantasie sind gefragt, um Geistiges in der Welt zu verwirklichen.
Dies war nur der Ursprung, das Erste, das Primäre Gestein...

Die liquidmagmatischen Mineralien Olivin,Chromit, kalziumreicher Plagioklas, sowie Pyrop, Chromeisenerz, und Zirkon

Am einzelnen individuellen Mineral lässt sich ablesen, wieviel Zeit er für seine Entwicklung hatte, ob er genug Nährlösung abbekam, ob genug Raum vorhanden war.

Magma enthält hauptsächlich Silizium, Sauerstoff, Aluminium, Calzium, Magnesium und Kalium

Es gibt eine bestimmte Abfolge in welcher aus der Schmelze Mineralstoffe abgeschieden werden und auskristallisieren. Nämlich zuerst die basischen, silizium armen, dann die sauren, siliziumreicheren. Das heißt, zuerst bilden sich Olivin, kalziumreichen Plagioklas und Pyroxen.

Im verbleibenden Magma ist der Anteil an Wasser und Silizium entsprechend höher, es entstehen dann Quarze, Biotit und Kaliumfeldspat und natriumreicher Plagioklas.

In der Restschmelze sind in wässriger Lösung leichtflüssige Stoffe gelöst. Beim Erkalten kristallisieren sie zu grobkörnigen Pegmatiten wie Turmalin, Beryll und Spodumen aus.

Sekundäres Bildungsprinzip oder Sedimentation und Verwitterung

Die zweite Entstehungsweise ist die "Sedimentäre Abfolge", die Bildung von Gesteinen und Mineralien durch Verwitterungs- und Ablagerungsprozesse. Sie finden an der Erdoberfläche statt.

Sehr unterschiedliche Einflüsse wirken auf Gesteine ein:

Physikalische Verwitterung bedeutet ein Eindringen von Wasser in Gestein und Ausdehnung durch Frost, welche den Stein zu sprengen vermag. Dies geschieht in Steinwüsten ständig, wo die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht wie Tag und Nacht sind.

Chemische Verwitterung geschieht durch kohlendioxidhaltiges Wasser, welches in Klüfte eindringt und dort in Kalk- und Gipsgesteinen Höhlen herausätzt. An silikathaltigen Gesteinen wie Granit bewirkt es die auffällige Wollsackverwitterung, bei der die Körnung des Gesteins erhalten bleibt (Vergrusung).

Biologische Verwitterung entsteht durch Sprengwirkung von Wurzeln und chemischen Ätzwirkungen, z.B. von Humussäure.

Häufig kommen gleichzeitig mehrere Einflüsse zum Tragen.

Sedimente bedeutet also kurz gesagt Ablagerungen von Kalken und Gesteinen, die durch

großen Druck über lange Zeit zu einem neuen Gestein zusammengepreßt werden.

Sedimentation vollzieht sich z.B. dadurch, daß durch Verwitterung Berge abgetragen werden und sich in Tälern ablagern. Hier ist ein bedeutendes Merkmal versteckt: Das Steinmaterial wird transportiert und legt dabei unterschiedliche Strecken zurück. Dabei wird es sortiert. Das bedeutet, daß grobe Stücke nach kurzen Strecken zurückgelassen werden, und Kiesel oder gar feine Sande sehr weit entfernt sich ablagern. Letztere werden ja sogar durch Wind befördert (äolische Sedimentation). Je feiner ist also die Struktur des aufgefundenen Gesteins ist, umso weiter ist es vom Ursprungsort entfernt.

Auf dem Transportweg werden die Bruchstücke zu Kieseln abgeschliffen. Auch von der Abgerundetheit kann man also auf die relative Entfernung schließen, die die Bestandteile zurückgelegt haben.

Also sind Breccien, von Tonen verkittete kantige Bruchstücke, jünger als Konglomerate, die aus abgerundeten Gesteinsstücken zusammengesetzt sind.

Gradierte Schichtung bezeichnet, daß durch ihr größeres Gewicht größere Steine in einem Medium als erste den Grund erreichen und immer feinere Steinchen sich darüber ablagern. Auch hier wird wieder die Ordnungsfunktion in der sekundären Entstehungsweise deutlich.

Sandstein erhält seine Namen stets durch sein Bindemittel, also Kalk, Quarz, Ton. Bundsandstein bezeichnet sehr schweren, stark verdichteten Sandstein (auf St. Odil).

Alle Jaspise sind Sandsteine.

Kalk und Gips sind ebenfalls sekundärer Bildung. Bekannte Bildungen sind z.B. Tropfsteinhöhlen, die durch Ablagerungen des kalkhaltigen Sickerwassers entsteht. Berühmt sind die Travertin- bzw. Kalksinter-Terassen in der Türkei, wo sich lockerer Kalk aus dem Wasser ausfällt und alles überkrustet.

Aus den Kalkablagerungen der Skelette toter Meerestiere wie Muscheln, Korallen, Schnecken bauen sich ganze Gebirge auf, wie der Untersberg bei Salzburg.

Oolithe entstehen durch Kalkablagerungen um Fossilien oder Sandstückchen in kugelförmiger Weise.

Was sind die Themen, mit denen man sich beim Tragen sekundärer Gesteine oder Mineralien auseinandersetzen muß? Es geht um die Veränderungen, die das Leben und die Welt an einem vorgenommen haben. Einflüsse von aussen, wie man zu dem wurde, der man heute ist. Es hilft also zu reflektieren, Abstand zu gewinnen, Sachen auch mal von aussen anzuschauen und die Position des Gegenübers einzunehmen. Man ist ganz in der Welt, mit dem Interesse in der Umwelt, mittendrin. So wie diese Steine ja auch an der Erdoberfläche entstehen, nicht in der Tiefe. Man kann Flexibilität erlernen, und dies auch den eigenen Verhaltensmustern gegenüber, da diese ja aus Erfahrungen mit der Umwelt angeeignet wurden.  Diese Steine helfen überall dort, wo es um Lösung von Umweltkonflikten geht, oder um Probleme, die dadurch entstanden sind.

Tertiäres Bildungsprinzip oder metamorphose

Metamorphosen entstehen, wenn Mineralbestand durch Veränderungen des Drucks und / oder der Temperatur umgewandelt wird. Tertiäre Gesteine entstehen durch umwälzende Prozesse in der Erdkruste. Durch die Kontinentaldrift wird der Erdmantel zu Gebirgen aufgeworfen. Die Höhe des Gebirges wird jedoch nur gering ansteigen, weil das Gewicht die Gesteinsmassen in die Tiefe des Magmas hinunterdrückt. Der große Druck bewirkt, daß Mineralstoffe aus Gesteinen herausgepreßt werden und daraus ein neues, widerstandsfähiges Mineral gebildet wird. Das Gestein muß sich so umorganisieren, daß es dem Druck standhalten kann. Dies geschieht durch eine innere Neuordnung. So entsteht aus unterschiedlichsten Eisenvorkommen der Magnetit.

Widerstandsfähigkeit und strukturelle Optimierung sind für das Gestein überlebensnotwendig, um nicht aufgeschmolzen zu werden.

Die Temperatur bei der Entstehung metamorpher Mineralien kann sogar noch höher als bei den Primärgesteinen sein, weil der immense Druck ein Aufschmelzen herauszögert.

Im Gestein trennen sich niedrigschmelzende von höherschmelzenden Bestandteilen und bilden schlierige Anordnungen. Diese Schichten werden oft wellenartig weiterverformt, wie z.B. bei Serpentin oder Tigereisen.

Regionalmetamorphose:
Wenn sich bei Ablagerungsvorgängen Schicht auf Schicht legt und Sedimente im Laufe der Zeit immer mächtiger werden, sinken sie durch ihr Eigengewicht ab. In ihren unteren Bereichen nähern sie sich dem Magma an. Hierbei werden große Gesteinsregionen umgewandelt, so daß man hier von Regionalmetamorphosen spricht. Es entstehen Kristalline Schiefer mit den Mineralien Serpentin, Jade, Nephrit, Thulit, Tigereisen, und Disthen, aus Kalkgestein wird Marmor.

Das aufsteigende Magma kann auch eine örtlich begrenze Umwandlung bewirken, man spricht dann von einer Kontaktmetamorphose. Rubin in Zoisit wird so gebildet.

Kontaktmetasomatose:
An der Grenze zwischen Gesteinsschmelze und dem chemisch empfindlichen Kalkgestein wandeln aufsteigende eisenhaltige Gase (siehe auch pneumatolytische Entstehung) das Gestein um. Es bilden sich eisenreiche Skarne, z.B. Pyrit, Hämatit, Granat.

Andere Gase bewirken chemische Reaktionen mit Stoffaustausch am Nebengestein, bei welcher Falken - und Tigerauge, Charoit und Rhodonit gebildet wird.

Auf den Menschen übertragen bedeutet der tertiäre Prozeß eine Reflexion, eine neue Sichtweise, einen Paradigmawechsel und innere Umwandlung. Der Zustand tritt ein, wenn etwas zu ende geht, aber das Neue noch nicht in Sicht ist.

Oft sind es schmerzliche Prozesse, die durchlebt werden, bis etwas aus-gelebt ist. Erkenntnisse kommen fast von alleine, da es sich beim Tertiären ja auch um einen Auflösungsprozeß handelt, und diese Erkenntnis führt zur Umwandlung in einen besseren, stimmigeren und wahrhaftigeren Zustand, der mehr Bestand hat. denn nur das Unbeständige kann angegriffen und verwandelt werden. Steht man in dieser Lebensphase der Krise gilt: Der schnellste Weg hinaus ist der Weg hindurch.